Lebensstationen
Hans Thoma wurde am 2. Oktober 1839 in Bernau, im Ortsteil Oberlehen, als Sohn eines Holzarbeiters geboren. Die Mutter stammte aus einer alten Kunsthandwerkerfamilie aus Menzenschwand. Sie ist mit dem berühmten Maler Franz Xaver Winterhalter (1805-1873) verwandt. 1848 kam seine Schwester Agathe, die ihn zeitlebens begleitete zur Welt. Sein Vater verstarb schon 1855, sein älterer Bruder 1852.
Als Thoma 20 Jahre alt war, verließ er Bernau, um an die Kunstschule in Karlsruhe zu gehen. In den folgenden Jahren reiste er oft nach Bernau, malte dort zahlreiche Naturbilder und genoss die Stille der Natur. Die Liebe zu seinem Heimattal trug er sein ganzes Leben lang im Herzen. Den letzten Besuch stattete er dem Bernauer Hochtal 1912 zu Johanni ab. Er brachte zwei Altarbilder für die Katholische Kirche St. Johann mit und die Bernauer bereiteten ihm ein rauschendes Fest.
Thomas Besuch in Bernau 1912: Eine Erinnerung
"Die Kirchenglocken läuteten, Böllerschüsse krachten, eine kirchliche Prozession zog feierlich durch die blumigen Wiesen, die Mädchen mit Trollus, dem großen Hahnenfuß, bekränzt und mit Margaretenblumen. Nach der Gottesdienstfeier kam der Zug von der Kirche her an der Schwendele-Mühle vorbei nach dem Oberlehen, die Musik voraus.
Dort bei meinem Geburtshaus stand mein Denkmal, ein tüchtiger Granitblock mit einem Bronzereliefbild von Bildhauer Sauer. Der Platz vor den Häusern war mit festlich gestimmten Menschenscharen, mit Musik und Fahnen und Gesang erfüllt. Der Bürgermeister Maier begrüßte mich mit einer Ansprache.... Wie seltsam war dies alles! Ich will nicht versuchen zu beschreiben, was in dieser Stunde von Freude und Wehmut durch meine Seele ging, ich hatte das Gefühl, als ob ich niederknien müsste und wortlos die Bernauer Sonne anstarren möchte." (aus: Im Winter des Lebens, S.177).
Stationen im Leben von Hans Thoma
Stationen im Leben von Hans Thoma
| Jahre | Ereignisse |
|---|---|
| 1853-1855 | Thoma bricht drei begonnene Lehren ab: eine Lithographen- und Malerlehre in Basel und die Lehre bei einem Uhrenschildmaler in Furtwangen. |
| 1855-1859 | Rückkehr nach Bernau. Autodidaktische Studien, Unterricht bei Lehrer Ruska. |
| 1859-1866 | Studium dank eines Stipendiums an der Kunstschule Karlsruhe. Unterricht bei Des Courdes und JohannW. Schirmer. Die Sommermonate verbringt Thoma in Bernau. |
| 1867 | Reise nach Paris; entscheidende Begegnung mit den Bildern Gustave Courbets. Lebt abwechselnd in Bernau, Säckingen und Karlsruhe. Finanzielle Not. Seine Bilder werden strikt abgelehnt. |
| 1870-1873 | Aufenthalt in München. Beginn der Freundschaften mit den Malern Arnold Böcklin, Wilhelm Leibl, Wilhelm Trübner und Viktor Müller, wo er in dessen Atelier Bonicella Bertendeder, seine spätere Frau kennenlernte. Kennenlernen seines Gönners Dr. Otto Eiser. |
| 1874-1876 | Italienreise mit Albert Lang. Freundschaft mit Hans von Marèes und Adolf von Hildebrand. Rombesuch mit Emil Lugo. Lebt in Frankfurt, München und Säckingen. |
| 1877 | Heirat mit seiner Schülerin Bonicella Berteneder in Säckingen. Verlegung des Wohnsitzes nach Frankfurt. |
| 1879-1889 | Reisen nach England und Italien. 1889 Beginn der Freundschaft mit Henry Thode, dem Schwiegersohn von Cosima Wagner und Direktor des Frankfurter Städel. |
| 1890 | Ausstellung im Münchner Kunstverein, mit der ihm der künstlerische Durchbruch gelingt. |
| 1892-1899 | Thoma ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Berufung und Umzug nach Karlsruhe. Er wird Direktor der Großherzoglichen Kunsthalle Karlsruhe und unterrichtet als Professor die Meisterabteilung für Landschaftsmalerei an der Kunstschule. |
| 1901 | Tod seiner Ehefrau Cella |
| 1904-1905 | Reisen in die Schweiz |
| 1905-1909 | Ausstattung der Thoma-Kapelle und Einweihung des Thoma-Museums in der Karlsruher Kunsthalle 1909 |
| 1924 | Thoma stirbt am 7. November in Karlsruhe. |
Hans Thoma: Maler & Dichter
Oft besuchte Hans Thoma (1839-1924) seinen Geburtsort Bernau, nachdem ihn Ausbildung und Künstlerdasein im Alter von 20 Jahren in die Ferne geführt hatten.
In der Idylle seines Hochtals schöpfte Hans Thoma Kraft und Inspiration. So sind die Wiesen, Bäche, Berge und Höfe des Schwarzwaldtals häufig Motive seiner Bilder. „Ich wollte nichts anderes malen, als was ich selber gesehen, ja selber gelebt hatte“.
Später Erfolg
Schon als Kind zeichnete Thoma leidenschaftlich. Sein Talent führte ihn mit 20 (1859) an die damalige Kunstschule Karlsruhe. Danach lebte er in Düsseldorf, München, Frankfurt. Erst als er 51 Jahre alt war, brachte eine Ausstellung in München großen Erfolg. Thoma arrivierte um die Jahrhundertwende zum beliebtesten Landschafts- und Portraitmaler in Deutschland.
Thoma fand so viel Anerkennung, dass ihn 1899 der Großherzog von Baden zum Direktor der Kunsthalle in Karlsruhe ernannte. Zugleich war er Professor an der Kunstakademie in Karlsruhe. 1919 beendete er seine Tätigkeit als Direktor. Mit 85 Jahren starb er am 7. November 1924 in Karlsruhe, wo er auf dem Hauptfriedhof beerdigt wurde.
Auf den Spuren von Hans Thoma in Bernau
- Hans-Thoma-Weg: Seit 1927 gibt es den drei Kilometer langen Wanderweg vom Ortsteil Dorf auf den Milchberg beim Bergasthaus "Krunkelbach-Hütte". Er verbesserte damals die Verbindung zwischen Bernau und dem Feldberg.
- Katholische Kirche St. Johann in Bernau, Innerlehen: Hans Thoma war 73 Jahre alt, als er das letzte Mal seinen Heimatort besuchte. An Johanni 1912 brachte er zwei Altarbilder mit, die noch heute die Seitenaltäre schmücken.
- Hans-Thoma-Fest: Mit Trachtenumzug, Volksmusik und Trachtentanz feiert Bernau immer am 2. Wochenende im August seinen berühmten Künstler. Kultureller Höhepunkt ist alle zwei Jahre die Verleihung des naturenergie-Förderpreises mit Festakt im Kurpark.
- Hans-Thoma-Gedenkstein: Vor dem Geburtshaus von Hans Thoma in Bernau, Ortsteil Oberlehen, steht ein Gedenkstein. 1912 hat er ihn selbst bei seinem letzten Besuch in Bernau eingeweiht. Das Haus ist in Privatbesitz und kann nur auf Anfrage besucht werden.
- Hans-Thoma-Künstlerweg: Themenweg mit Infostationen im Ortsteil Oberlehen. Weitere Informationen finden Sie hier.


